Stadtbad - Wie ein Märchen aus 1001 Nacht

Hans H. Hanke

„Es war in der Tat wie ein Märchen aus 1001 Nacht", schrieb Prof. Tarachara Rong aus Indien am 5. Mai 1953 in das Gästebuch des Stadtbades. „Diese Einrichtung ohne Vorbild verbindet Praxis und außergewöhnlich guten Geschmack in Architektur und Farbwahl". Das Bad sei das „größte Wunder Europas". So schwärmten Professoren, Architekten, Ingenieure, Trainer, Lehrer, Journalisten und Politiker aus aller Welt vom Bochumer Schwimmpalast.

Bochum hatte 1948 als erste Großstadt in NRW eine Wiederaufbauleitlinie für seine zerstörte Innenstadt verabschiedet. Weit vor Dortmund und Essen wurde Bochum dann die Stadt des Ruhrgebietes, die einen vorbildlichen Neuordnungsplan verwirklichte. Zentrum des Wiederaufbaus war der neue Hauptbahnhof. In seine Nähe wurde unser Stadtbad gerückt. Hier war das dringend erforderliche Bad leicht erreichbar. Der bürgerfreundliche Bau galt als besonderer Erfolg sozialdemokratischer Politik.

Gemeinsam mit dem Hochhaus der Stadtwerke war die Architektur des Stadtbades ein Signal der neuen City. Die wechselnden Höhen der bunten Bauten verwandelten das graue Vorkriegsbochum in eine moderne und pulsierende Metropole, in den „Treffpunkt des Reviers". Wie das Stadtbad, dessen stabile Stützen noch mehrere Stockwerke tragen könnten - aber niemals sollten! -, haben sich die öffentlichen Bauten der Nachkriegszeit als nahezu unverwüstlich erwiesen. Erst jetzt, nach 40 Jahren, brauchen sie Pflege. Die Architektur der 50er Jahre ist ein ungehobener Schatz Bochums.

Stadtgeschichte, Badekomfort und Architektur begründen den Denkmalwert des Stadtbades. Das Stadtbad gehört zum Besten, was der bundesdeutsche Wiederaufbau hervorgebracht hat. Das bestätigen heute Experten wie Prof. Werner Durth von der TH Aachen oder Prof. Joachim Petsch von der Ruhr-Universität. Geschützt werden muß hier das Zeugnis einer Bochumer Epoche, in der unsere Stadt außergewöhnlich stark geprägt wurde und internationale Anerkennung genoß. Rund 10.000 Neubauten haben in der Nachkriegszeit diesen Ruf begründet. Niemand will hier übertreiben: Nur eine bescheidene Auswahl daraus ist „denkmalwert" und soll mit dem Stadtbad helfen, unsere kulturelle Identität zu bewahren.

Das „Denkmal Stadtbad Bochum" ist hervorragend nutzbar. Viele seiner heute verwahrlosten Qualitäten können wiedergewonnen werden. Seine umfangreichen Räume bieten Chancen für rentable Einrichtungen. Vor sechs Jahren wurde leider nur ein einziger Lösungsweg zur Neunutzung des Bades eingeschlagen. Der hat sich jetzt als Sackgasse erwiesen. Die Kortum-Gesellschaft Bochum ist aber überzeugt: Das Stadtbad Bochum kann mit gutem Willen wieder eine Attraktion der Bochumer Innenstadt werden: In Düsseldorf liegt das Startkapital bereit!


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